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Welt-Nichtrauchertag: Ein ärztlicher Blick auf Risiken und Chancen

Dr. med. Klaus Henning Thomas, Chefarzt der Pneumologie

Autoren: Dr. med. Klaus Thomas, Laura Bernard

Welt-Nichtrauchertag: Ein ärztlicher Blick auf Risiken und Chancen

Die Lunge ist ein faszinierendes Organ. Sie verbindet den Körper mit der Umwelt, versorgt uns mit Sauerstoff und schützt uns vor Schadstoffen. Die Kontaktfläche mit der Außenwelt durch die vielen Lungenbläschen beträgt ca. 70 qm, welches in etwa der Größe eines Tennisplatzes entspricht.

Die Erkrankungen, die die Lunge betreffen, sind vielfältig. Dazu zählen Infektionen, chronische Erkrankungen wie COPD, Asthma oder Lungenkrebs.

Rauchen ist einer der größten Risikofaktoren für verschiedene Lungenerkrankungen. Die Folgen vom Rauchen können sein, dass es zu einer Vergröberung des Lungengewebes kommt: Es zerstört die feinen Lungenbläschen (Alveolen), sodass der Austausch von Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff behindert wird. Außerdem kann es zu einer Verengung der Atemwege kommen. Das Resultat: Die Lunge verliert ihre Elastizität, der Gasaustausch verschlechtert sich, Betroffene leiden unter chronischem Husten und Atemnot. Dieses Krankheitsbild wird als „chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)“ bezeichnet. Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung, die nicht geheilt, aber behandelt werden kann, um Beschwerden zu lindern. In besonders schweren Fällen gibt es erweiterte medizinische Behandlungsmöglichkeiten, wie etwa eine nicht-invasive Beatmung, die Entfernung von überschüssigen Luftansammlungen in den Lungenbläschen durch Einbringen von Ventilen per Bronchoskopie oder sogar eine Lungentransplantation.

Rauchentwöhnung: Der Weg zur gesunden Lunge

Selbst zehn Jahre nach einem Rauchstopp ist die Lunge immer noch gefährdet, an Folgen des  Rauchens zu erkranken. Allerdings halbiert sich z.B. das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um ca. 50% im Vergleich zu den Menschen, die weiter geraucht haben.

Es gibt keine klare Grenze, ab wann Schäden irreversibel sind. Viele Faktoren spielen eine Rolle: genetische Veranlagung und frühkindliche Einflüsse. Frühgeburten haben ein höheres Risiko, später an COPD zu erkranken. Die Lungenreserve, die sich bis zum 21. Lebensjahr entwickelt, wird durch das Rauchen schneller abgebaut. Ein vollständiger und frühzeitiger Rauchstopp ist daher entscheidend, um weitere Schäden zu verhindern. Noch besser ist es natürlich, mit dem Rauchen gar nicht erst anzufangen.

Neben der Prävention durch den Rauchstopp sind regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und Impfungen wichtig, um schwerwiegenden Lungenerkrankungen vorzubeugen. Die Pneumokokken-Impfung ab dem 60. Lebensjahr kann schwere Infektionen und deren Folgen wie Lungenentzündungen verhindern. Weitere empfohlene Impfungen richten sich gegen Influenza (Grippe) und natürlich Covid (SARS-COV2). Eine Impfung gegen RSV (Respiratory Syncytial Virus) wird ab dem 75. Lebensjahr empfohlen, bei Grunderkrankungen schon ab dem 60. Lebensjahr.

Der erste Schritt in ein rauchfreies Leben

Der erste Schritt zum Rauchstopp beginnt immer im Kopf. Ohne den eigenen Willen helfen weder Nikotinpflaster noch Medikamente. Verhaltenstherapien oder medikamentöse Unterstützung bei starker Abhängigkeit können den Prozess erleichtern. Nichtraucherprogramme bieten professionelle Begleitung und erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich, und die Kosten für Nikotinersatzprodukte und dem Medikament Vareniclin werden bei gleichzeitiger strukturierter Raucherentwöhnung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ersatzprodukte wie E-Zigaretten(„Vapen“ = verdampfen) stellen aufgrund der gesundheitlichen Risiken durch das enthaltene Nikotin, Verneblungs-, Wirk- und Zusatzstoffe sowie mögliche Verunreinigungen keine „gesunde“ Alternative dar. Vor allem Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren greifen zunehmend zu E-Zigaretten, während der Anteil bei Erwachsenen bei ca. 4 Prozent liegt. Das Risiko bleibt hoch, insbesondere wenn Tabak zusätzlich konsumiert wird. Dieser Doppelkonsum liegt bei ca. 70 % der Nutzer von E-Zigaretten vor. E-Zigaretten sind kein verlässliches Mittel zur Tabakentwöhnung, und ihre langfristigen Folgen für die Lunge sind unklar. Die Kombination aus dem Rauchen von E-Zigaretten und Tabak erhöht die Schädlichkeit und dient nicht als geeignete Entwöhnung.  
Dr. med. Klaus Henning Thomas, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am Klinikum Bielefeld – Mitte, appelliert an alle Raucher: „Eine bessere Lungengesundheit erlangt man  durch konsequentes Aufhören.“

Unterstützungsangebote zur Rauchentwöhnung

Das Onkologische Zentrum des Klinikums Bielefeld bietet auf seiner Internetseite Informationen und Links zu Unterstützungsangeboten an, die der Rauchentwöhnung dienen:

Rauchentwöhnung - Klinikum Bielefeld

Der Weltnichtrauchertag, der jährlich am 31. Mai stattfindet, hat 2026 das Motto: „Die Faszination entlarven - Nikotin- und Tabakabhängigkeit bekämpfen“. Es erinnert daran, dass es sich lohnt, aktiv gegen diese Abhängigkeit vorzugehen. Der Aktionstag der WHO soll die Prävention von Nikotinsucht fördern und Jugendliche sowie die breite Öffentlichkeit mit Wissen und Hilfsmitteln ausstatten, um Manipulationen der Industrie zu widerstehen und Zugang zu evidenzbasierter Entwöhnung zu erhalten. Der Weltnichtrauchertag 2026 baut auf der Kampagne von 2025 auf, vereint weltweit Regierungen, Gesundheitsorganisationen, Zivilgesellschaft und Jugend und unterstreicht das Ziel, künftige Generationen vor den Schäden durch Tabak- und Nikotinprodukte zu schützen und eine tabak- und nikotinfreie Zukunft zu sichern.

 

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