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von Bauhahn
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17 Jahre mit Magenbypass: „Ich würde diesen Weg jederzeit wieder gehen“

Steffy Wirtz vor und nach der Magenbypass-Operation
Steffy Wirtz vor und nach der Magenbypass-Operation

Vom Kampf gegen die Adipositas zum Engagement für andere Betroffene: Steffy Wirtz blickt auf 17 bewegte Jahre nach ihrer Magenbypass-Operation zurück. Ihre Geschichte erzählt von gesundheitlichen Veränderungen, persönlichen Herausforderungen und der Erkenntnis, dass niemand seinen Weg allein gehen muss.

160 Kilogramm Körpergewicht, ein Body-Mass-Index (BMI) von 50, Schlafapnoe, chronische Rücken- und Gelenkbeschwerden: Als Steffy Wirtz vor 17 Jahren die Entscheidung für eine Magenbypass-Operation traf, hatte die Adipositas längst erhebliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihren Alltag. Dennoch sagte sie damals häufig: „Mir geht es doch eigentlich ganz gut.“

Heute weiß sie, dass hinter diesem Satz auch der Versuch steckte, die eigenen Belastungen zu verdrängen. Denn neben den körperlichen Beschwerden waren es vor allem die Erfahrungen mit Vorurteilen, verletzenden Kommentaren und gesellschaftlicher Ausgrenzung, die sie über viele Jahre begleiteten.

„Schon als Kind war ich beim Sport diejenige, die als Letzte in eine Mannschaft gewählt wurde“, erinnert sie sich. Besonders schmerzhaft ist ihr ein Eintrag aus ihrem Poesiealbum in Erinnerung geblieben, in dem sie als „erster deutscher Panzer, der wieder rollt“ bezeichnet wurde. „Für denjenigen vielleicht nur ein blöder Spruch. Aber manche Worte vergisst man sein ganzes Leben nicht.“

Eine Operation verändert den Körper – aber nicht automatisch die Seele

Die Magenbypass-Operation markierte für Steffy Wirtz einen entscheidenden Wendepunkt. Mit der Gewichtsabnahme verbesserten sich ihre Perspektiven auf ein gesünderes Leben. Gleichzeitig begann eine persönliche Auseinandersetzung mit den Erfahrungen ihrer Vergangenheit. „Mit jedem Kilo, das nach meiner Operation verschwand, veränderte sich nicht nur mein Körper. Auch die Schutzmauer, die ich mir über viele Jahre aufgebaut hatte, bekam Risse“, beschreibt sie diese Zeit.

Denn die chirurgische Behandlung der Adipositas ist weit mehr als ein Eingriff in das Verdauungssystem. Sie erfordert langfristige Veränderungen, medizinische Nachsorge und häufig auch eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild und der Lebensgeschichte.

„Eine lebenslange Nachsorge und Selbsthilfe sind entscheidende Faktoren für das Gelingen einer solchen Behandlung. Eine körperliche Veränderung geht mit Höhen, aber auch Tiefen einher, die begleitet werden müssen“, sagt die Chefärztin der Adipositas Klinik am Klinikum Bielefeld Rosenhöhe, PD Dr. Carolina Pape-Köhler.

Aus eigener Erfahrung anderen Menschen Mut machen

Vor 17 Jahren war die Versorgung von Menschen mit schwerer Adipositas noch deutlich weniger entwickelt als heute. Spezialisierte Zentren waren seltener, verlässliche Informationen schwerer zugänglich. Für eine fachkundige Behandlung mussten Betroffene teilweise weite Wege auf sich nehmen.

Heute engagiert sich Steffy Wirtz dafür, dass andere Menschen mit Adipositas Unterstützung finden und von ihren Erfahrungen profitieren können. Sie weiß aus eigener Geschichte, wie wichtig der Austausch mit Menschen ist, die ähnliche Herausforderungen kennen: „Man muss am Ball bleiben. Nachsorge ist wichtig. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Selbsthilfegruppen können unglaublich wertvoll sein. Und manchmal bedeutet Stärke eben nicht, alles alleine zu schaffen.“

Dabei ist ihr besonders wichtig, mit einem weitverbreiteten Vorurteil aufzuräumen: Eine Magenbypass-Operation sei der vermeintlich einfache Weg zur Gewichtsabnahme. „Nein. Es war nicht der einfache Weg. Es war mein Weg. Und niemand außer mir musste ihn gehen.“

17 Jahre später: Ein Plädoyer für mehr Verständnis

Inzwischen hat sich das medizinische Verständnis der Adipositas deutlich weiterentwickelt. Die Erkrankung wird zunehmend als chronische, komplexe Krankheit anerkannt, für deren Behandlung unterschiedliche therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dennoch erleben Betroffene weiterhin Stigmatisierung und Schuldzuweisungen.

Steffy Wirtz wünscht sich deshalb vor allem mehr Verständnis und weniger vorschnelle Urteile. „Keiner von uns läuft auch nur einen einzigen Tag wirklich in den Schuhen eines anderen. Deshalb sollten wir weniger urteilen und viel öfter versuchen zu verstehen.“

Ihr persönliches Jubiläum ist für sie deshalb weit mehr als der Rückblick auf eine erfolgreiche Operation. Es ist auch eine Erinnerung daran, wie wichtig langfristige Begleitung, gegenseitige Unterstützung und der Mut zur Veränderung sind. Und auf die Frage, ob sie sich noch einmal für einen Magenbypass entscheiden würde, hat Steffy Wirtz auch nach 17 Jahren eine klare Antwort: „Ja. Jederzeit. Ohne Zweifel.“

Kontakt

Klinikum Bielefeld - Rosenhöhe
Adipositas Klinik

An der Rosenhöhe 27
33647 Bielefeld

Telefon: 0521 943-8201
Telefax: 0521 943-8299
E-Mail: adipositas.klinik@klinikumbielefeld.de

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